Rebjahr 2017

Rebjahr 2017

Januar

Der Januar war so kalt wie schon lange nicht mehr. Teilweise stieg das Thermometer auch tagsüber nicht über 0°. Dazu kam noch etwas Schnee, so dass das Schneiden auf später verlegt wurde. Mit Sicherheit war es auch den Kirschessigfliegen zu kalt.

Februar

Gegen Mitte Februar war der Schnee weg und die Temperaturen waren höher. Deshalb begann man am 11. Februar mit dem Schneiden. 14 Tage später war man damit fertig. Der Februar blieb weiterhin mild, so mild, stellte man später fest, wie eigentlich ein März sein müsste.

März

Die zu hohen Temperaturen gingen weiter: «Apriltemperaturen» nannte man sie. Bis Mitte März waren den auch alle Triebe gebunden und der Rebberg für das kommende Rebjahr bereit.

April

Mit deutlich zu hohen Temperaturen ging es weiter und die Reben machten fleissig mit. Bis zu 14 Tage war der Vegetationsvorsprung Mitte April. Aber der April macht immer noch, was er will. Diese Wechselhaftigkeit zeigte sich so richtig Mitte der 16. Woche: Am Mittwoch, 19. April, war die erste Frostnacht angesagt. Es gab kaum mehr eine Möglichkeit, dagegen anzukämpfen. Alle Frostkerzen waren schon lange ausverkauft. Der Frost traf mit -3° prompt ein und setzte den Trieben ein erstes Mal zu. Die Donnerstagnacht sollte noch etwas kälter werden. Kaum mehr Wind und wolkenfreier Himmel liessen nichts Gutes erwarten. Zittern und Bangen waren angesagt. Es wurde zwar sehr kalt, aber nicht wesentlich schlimmer als die vorherige Nacht. Am Freitagnachmittag, 21. April, war der Rebbergbesuch zwar immer noch belastend, aber trotzdem weniger schlimm als erwartet. Ob aber mit gegen 50% Ausfall gerechnet werden muss, wird der weitere Witterungsverlauf zeigen. Nun rechnete man allenthalben mit dem definitiven Frühlingseinbruch. Aber schon in der folgenden Woche kam die nächste Kaltfront aus Westen. Höhepunkt war die Nacht vom 27. auf den 28. April. Schneefall in der Ostschweiz bis 50cm, aber im Rebberg wenigstens keine weiteren Minustemperaturen. Nun sollte es aber Schluss sein mit dem Winter 16/17.

Mai

Am 2. Mai kamen zwei Versicherungsleute um den Schaden abzuschätzen. Im Moment sind es 80%. Ein zweiter Besuch erfolgt nach dem Blühet und ein dritter kurz vor dem Wümmet. Dann erst wird sich der Schaden endgültig bemessen lassen. Er dürfte voraussichtlich einiges tiefer liegen. Der weitere Wetterverlauf sah zunehmend besser aus. Gegen Ende des Monats gab es sommerliche Temperaturen um die 30°, ganz gut für die Erholung unserer Reben. Auch wenn bei genauem Hinsehen die Schäden nicht zu verleugnen waren, war Ende Mai saftiges Grün die dominierende Farbe.

Juni

So kam es, dass am 1. Juni um 0730 Uhr Ordnung in das Rebgrün gebracht wurde: Ausbrechen und Einschlaufen war angesagt. Man sah deutlich, dass sich die Reben mit allen Kräften gewehrt haben. Neue Triebe mussten bis zum Boden entfernt werden und einige berührten fast die obersten Drähte. Nach dem 2. Einsatz am 2. Juni durfte sich der Rebberg sehen lassen. Rechtzeitig zum Risottoessen mit Weinabgabe am 3. Juni war alles bereit.

Juli/August

Der ausnehmend heisse Sommer mit vielen Gewittern gab dem Wachstum so richtig Schub. Das hiess immer wieder auslauben, einschlaufen, abschneiden. Die Trauben entwickelten sich hervorragend. Anfang August war einmal mehr der Farbumschlag eindrücklich und schon bald musste eingenetzt werden. Es galt, allen Gefahren zu begegnen: Vögeln, Bienen, Kirschessigfliegen und allenfalls auch Hagelkörnern, die einmal ganz kurz den Rebberg besuchten ohne grossen Schaden anzurichten. Jetzt wartete man gespannt auf einen goldenen Herbst.

September

Was nach problematischem Start für ein grossartiges Rebjahr noch nötig gewesen wäre, trat nicht ein. Der September war launisch, feucht und frisch. Aber die Trauben hielten sich hinter den Netzen einwandfrei. Als Rebmeister Werner Brunner auch das Reifen der Kerne festgestellt hatte und die Oechslezahl über 80 stand, legte er den Samstag, 23. September, als Wümmettag fest. Er verzichtete aus Sicherheitsüberlegungen auf eine zweite Lese. Kurzes Zittern kam auf, als er zum Wochenbeginn an einzelnen Stellen Fliegen feststellte. Eine Vorverschiebung war kaum mehr möglich und so kam der ersehnte Samstag: 34 Personen waren mit Schere und Kübel bewaffnet um 0900 in der Rebhalden zum Wümmet 17 bereit. Es wurde einmal mehr ein guter Tag mit vielen aufgestellten Gesichtern. Und das Resultat durfte sich sehen lassen: 2025 kg Trauben mit einem Oechslegehalt von 87°. Wer hätte das nach den beiden Frostnächten zu denken gewagt! Die Natur und die hervorragende Arbeit im Rebberg haben das Unmögliche wieder möglich gemacht. Allen Beteiligten einen ganz grossen Dank! Zum Schluss wurden am 28. August die Netze wieder eingerollt und ins Weinlager zum Überwintern gebracht. Das Rebjahr im Freien ist somit beendet, es beginnt nun die Arbeit im Keller bei Peter Baur.